Netzwerk Diakonat der Frau

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    Diakonatskreis - Was ist das eigentlich?

    Diakonatskreis – was ist das eigentlich?

    Das „Netzwerk Diakonat der Frau“ ermöglicht die Vorbereitung von Frauen auf Leitungsdienste in einer diakonischen Kirche. Ähnlich haben sich Männer vor dem II. Vatikanischen Konzil auf den Ständigen Diakonat und Leitungsdienste in einer diakonischen Kirche vorbereitet. Ziel ist die Stärkung der diakonischen Pastoral in der Kirche.

    Der erste Diakonatskreis wurde 1999 – 2002 durchgeführt. Ein zweiter Diakonatskreis fand 2003 – 2006 statt. Ein dritter Diakonatskreis ist in Planung. Dafür wird derzeit ein neues Konzept erarbeitet.

    Vision: Eine diakonische Kirche

    Was sind das für Frauen?

    Was motiviert diese Frauen?
    Wie sah bisher der dreijährige Kurs aus?
    Was erwarten die Frauen auf ihrem Weg?
    Wie reagiert die „offizielle“ Kirche?
    Wege aus dem Dilemma

    Vision: Eine diakonische Kirche

    Ausschlaggebend für die Einrichtung eines Diakonatskreises für Frauen war eine Vision: Die Vision einer Kirche, die aus einer gegensätzlichen Bewegung lebt; der Bewegung von außen nach innen, zum Leben im Gottesdienst, und der Bewegung von innen nach außen, hin zu den Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. Funktioniert zur Zeit noch das gottesdienstliche Leben in den Gemeinden, so schien dem Netzwerk beim anderen Teil der Bewegung ein Defizit zu bestehen, bei der Präsenz der Frohbotschaft in den jeweiligen Lebenssituationen. Die Vermutung war, dass das zusammen hängen könnte mit dem Fehlen einer amtlichen Absicherung und Repräsentanz dieses Bewegungsteils. Konkret: In dem Maß, in dem das priesterliche Amt der Gemeinde als Zeichen für die Notwendigkeit liturgischen Lebens dienen kann, fungiert das diakonale Amt zur Zeit nicht als Zeichen für die Notwendigkeit der diakonalen Aufgaben einer Gemeinde [1]. Wer nicht von sich aus am Leben der Gemeinde teil nimmt, hat wenig Chancen, die helfende und heilende Kraft des Evangeliums zu erfahren. [zurück]

    Was sind das für Frauen?

    Einer der Einwände von Gegnern des Diakonats für Frauen ist, dass die Frauen „nur die Macht“ wollen. Dem entsprechend sind die Bilder im Kopf: emanzipierte „Lila-Latzhosen-Trägerinnen“, Feministinnen, die mit „aller Gewalt“ und „gegen die Männer“ eine Machtposition in der Kirche anstreben.

    Wer die Frauen im Diakonatskreis kennen lernt, muss solche Festlegungen schnell korrigieren: Sie sind zwischen 30 und 60 Jahre alt, verheiratet, allein lebend oder Ordensfrauen, mit Familie und ohne, sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen. Sie repräsentieren das breite Spektrum der Frauen in der Kirche. Gemeinsam ist ihnen, dass sie seit langem in ihren Gemeinden oder verbandlichen Institutionen arbeiten und dort sehr geachtet sind. Ebenfalls gemeinsam ist ihnen eine tiefe Liebe zu ihrer Kirche, die sie trotz einiger Verletzungen immer wieder antreibt, sich zu engagieren. Viele sind erst über die Mitarbeit in der Gemeinde auf ihr Interesse an Theologie gestoßen und haben in ihrer Freizeit eine theologische Qualifikation nachgeholt. [zurück]

    Was motiviert diese Frauen?

    Trotz Mitarbeit in der Gemeinde und Fundierung dieser Mitarbeit durch die Theologie blieb in ihnen eine Unruhe, ein Gefühl, dass mehr nötig wäre. Es ist sicher schwierig, eine Berufung zu erspüren, für die es in den kirchlichen Strukturen (noch) keine Entsprechung gibt, aber genau das haben die Frauen getan. Sie haben dieser Berufung zum Diakonat nachgeforscht, oft über Jahre. Einige haben sie eher ignoriert, an den Rand gedrängt, andere haben sie bewusst gespürt und gelitten an der Unmöglichkeit, in unserer Kirche diesen Weg ihrer Berufung gehen zu können. Für alle Frauen war es wichtig zu merken, dass sie nicht allein stehen mit ihrer Berufung, dass es andere Frauen gibt, denen es genauso geht. Die Frauen, die sich tatsächlich entschieden haben, den dreijährigen Weg des Diakonatskurses zu gehen, werden getragen von dem Glauben, dass Gott nicht Berufungen erweckt, derer die Kirche nicht bedarf.

    Und damit ist die zweite große Motivation der Frauen im Diakonatskreis angesprochen: Sie alle haben erfahren, dass ihr diakonales Engagement gefragt ist, dass die Diakonie der Kirche(n) gebraucht wird, anerkannt wird weit über die Kreise der gläubigen Menschen hinaus. Sie glauben, dass die Kirche(n) ihr diakonales Engagement verstärken müssen, wenn sie einen glaubwürdigen Platz in der Gesellschaft behalten wollen. Sie möchten das Evangelium hinbringen zu den Menschen, die – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht von sich aus mit der Guten Botschaft in Berührung kommen. Dabei ist das diakonale Engagement kein PR-Gag, um Menschen in die Kirche zu holen, sondern die Besinnung auf eine der Säulen der Kirche (neben Liturgie und Verkündigung), der derzeit eben keine tragende Funktion zukommt. [zurück]

    Wie sah bisher der dreijährige Kurs aus?

    Den Verantwortlichen im Netzwerk Diakonat der Frau, die den Kurs entwickelt haben, war es wichtig, sich an den kirchlichen Vorgaben zu orientieren. In den Anforderungen und den Inhalten richtet sich der Kurs deshalb nach der von den Deutschen Bischöfen heraus gegebenen Rahmenordnung [2] und den Richtlinien [3]. Die genauen Curricula für die Ausbildung der Diakone sind jedoch von Diözese zu Diözese verschieden. Dem Netzwerk war es wichtig, die Frauen wirklich für ein diakonales Wirken in der Kirche zu befähigen, deshalb durchzieht dieses Thema alle drei Jahre und war Schwerpunkt des ersten Jahres: Es ging um die unterschiedlichen Praxisfelder in Diakonie und Caritas, um biblische und historische Grundlagen der Diakonie, um Visionen einer diakonischen Kirche. Schwerpunkt des zweiten Jahres ist die Verkündigung: Umgang mit biblischen Texten, Gesprächsführung, Verkündigungssituationen und -orte, Predigtvorbereitung. Im dritten Jahr geht es um die Liturgie: Theologische Grundlagen, Liturgie„fähigkeit“, liturgische Sprache, Symbole, Rituale, diakonische Liturgie (Genauere Informationen sind dem Curriculum zu entnehmen).

    Der Diakonatskreis trifft sich an sechs Wochenenden im Jahr um thematisch zu arbeiten. Einmal pro Jahr versammeln sich die Frauen zu fünftägigen Exerzitien. Genau wie die männlichen Diakonatsbewerber arbeiten auch die Frauen während der gesamten Zeit in Praxisfeldern etwa im Rahmen von fünf Stunden pro Woche. Diese Praktika werden von Mentoren oder Mentorinnen begleitet und regelmäßig reflektiert.

    Auch die geistliche Dimension des Diakonats und des dreijährigen Weges wird vertieft. Diesen Teil gestalten zwei Geistliche Begleiterinnen, die auch Anregungen geben für eine verpflichtende Geistliche Begleitung der Frauen vor Ort. Ein Feld der Geistlichen Begleitung ist immer auch die Herausforderung durch den institutionell nicht gesicherten Weg.

    Ein Glücksfall (oder eine Fügung?) war es, dass Sr. Basina Kloos, die frühere Generalsekretärin der Vereinigung der Ordenoberinnen Deutschlands und heutige Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, als eine der Leiterinnen des ersten Kreises gewonnen werden konnte. [zurück]

    Was erwarten die Frauen auf ihrem Weg?

    Die Frauen erwarten, dass ihre Berufungen ernst genommen werden, genauso ernst wie die Berufungen der Männer. Und weil es noch kein diakonales Amt für Frauen gibt, hoffen sie, dass sich die katholische Kirche auf allen Ebenen mit ihnen gemeinsam auf den dreijährigen Weg macht, in einen Austausch miteinander tritt über die Frage „Brauchen wir in der Kirche Diakoninnen?“

    Um solche Kontakte bemühen die Frauen sich: in ihren Gemeinden, bei den Verantwortlichen für den Diakonat in den Bistümern, mit ihren Bischöfen, mit dem Caritas-Verband als einem Träger von Diakonie.

    Sie stoßen überwiegend auf positive Resonanz: In den Gemeinden oder Institutionen, in denen die Frauen ihr diakonales Engagement verwirklichen, werden die Frauen als Diakonatsbewerberinnen anerkannt und unterstützt. Wo es vor Ort um eine Stärkung der Diakonie geht, sind ihre Erfahrungen gefragt.

    Unterstützung erhält der Kreis auch durch Spenden von Frauenverbänden und Einzelpersonen. Denn anders als die männlichen Bewerber in den Diözesen müssen die Frauen die Kosten des Kurses selbst tragen. Referentinnen und Referenten der Wochenenden bringen ihr Wissen ehrenamtlich ein, auch das ein Zeichen großer Solidarität und Anerkennung der vierzehn Frauen.

    Das Netzwerk Diakonat der Frau hatte auf dem Katholikentag in Hamburg und auch auf dem Ökumenischen Kirchentag in Berlin Ermutigungs-Wände für den Kreis eingerichtet, die am Ende von Zetteln überquollen, die Mut zusprachen und die von der Sehnsucht vieler Menschen in der Kirche zeugen, Frauen auch im Amt begegnen zu können. [zurück]

    Wie reagiert die „offizielle“ Kirche?

    Die Bischöfe reagieren „naturgemäß“ etwas verhaltener. Am schwersten tun sich jene Bischöfe, die in der Öffnung des Diakonenamtes für Frauen sofort auch eine Zugangsmöglichkeit für das Priesteramt sehen und sogar unterstellen, es gehe den Frauen nicht wirklich um den Diakonat, sondern um einen „Türöffner“ für das Priesteramt. Diese Frage überhaupt nur zu diskutieren, ist aber seit „Ordinatio Sacerdotalis“ 1994 verboten. Sie legen die Ämtertheologie des II. Vatikanischen Konzils so aus, dass das eine Amt in drei Stufen unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen unmöglich macht.

    Die meisten Bischöfe legen sich systematisch so nicht fest: Diakonat, Presbyterat und Episkopat können und müssen wegen des unterschiedlichen Profils unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen haben. Und: Die dienende Liebe Christi kann auch durch Frauen repräsentiert werden.

    Diese Bischöfe scheinen eher in einem Dilemma zu stecken zwischen den – ihrer Meinung nach – berechtigten Wünschen nach Öffnung des Diakonats für Frauen und einer römischen Behörde, die zur Zeit keinen Mut zu Veränderungen hat. Einige von ihnen haben die Befürchtung geäußert, Rom könne sich negativ festlegen, wenn die Forderungen nach dem Diakonat für Frauen zu vehement vorgetragen werden. In diesem Sinn empfinden sie den Diakonatkreis in doppelter Weise als Gefahr. Einerseits birgt er ein Potenzial großer Enttäuschung für Frauen, die nach den drei Jahren nicht geweiht werden; andererseits befürchten sie, dass allein die Existenz des Kreises in Rom den Druck vergrößert. Die Frauen aus dem Diakonatskreis haben sich mit Geduld gewappnet. Sie wissen, dass am Ende ihrer Ausbildung wahrscheinlich noch keine Weihe steht. Ihr Motto – mit Abraham und Paulus – „Gegen alle Hoffnung voll Hoffnung glauben“ (Röm 4,18). [zurück]

    Wege aus dem Dilemma

    Mögliche Aus-Wege aus diesem Dilemma, das durch Stagnation viel Unzufriedenheit und Resignation hervor ruft, bietet ganz banal das Gespräch, der Dialog aller Beteiligten. Der alte Psychologen-Witz „gut, dass wir darüber gesprochen haben“ ist damit allerdings nicht gemeint. Gespräche, in denen sich die Partner und Partnerinnen ernst nehmen, können nicht folgenlos bleiben. Fast alle Diözesen Deutschlands haben in den letzten Jahren große Beratungsprozesse (Pastoralgespräche, Foren, Synoden) durchgeführt. Immer ist von den Delegierten die Forderung nach der Öffnung des Diakonats für Frauen mit großen Mehrheiten gefordert worden. In der Diözese Münster ist das Thema sogar zum Schwerpunkt im Bistum erklärt worden. Über diese Erklärungen hinaus ist jedoch keine Absicht erkennbar, kein Weg dorthin. Es geht nicht nur darum, ob es Diakonat für Frauen jetzt gibt oder nicht, sondern wie wir dorthin gelangen können, wenn wir es denn wirklich wollen.

    Die Frauen im Diakonatskreis haben den Mut, Schritte auf einem Weg zu gehen, dessen Ende sie nicht kennen. Das ist nicht immer leicht, und die Frauen tun dies auch nicht leichtfertig. Sie können ihren Weg aber gehen im Vertrauen auf den Gott Abrahams und Sarahs, und viele Menschen in der Kirche ermutigen sie dabei. Kann „die Kirche“ mit gehen? [zurück]

    Marlies Mittler-Holzem

    (nach einem Artikel in der Zeitschrift „Quatember“ Herbst 2000)

    Marlies Mittler-Holzem, Dipl.-Theologin, Erwachsenenbildnerin, verheiratet, 3 Kinder. Leitete gemeinsam mit Sr. Basina Kloos den 1. Diakonatskreis von 1999-2002.


    [1] vgl. zum Ganzen: Bernd Jochen Hilberath: Zwischen Vision und Wirklichkeit. Fragen nach dem Weg der Kirche, S. 92-146.

    [2] Rahmenordnung für Ständige Diakone in den Bistümern der Bundesrepublik Deutschland, Die deutschen Bischöfe Heft 50, 1994.

    [3] Richtlinien über persönliche Anforderungen an diakone und Laien im pastoralen Dienst im Hinblick auf Ehe und Familie, Die deutschen Bischöfe Heft 55, 1995.