Diakonat - Was ist das?

Diakonat – Was ist das?

Eine Art „Mini-Priester“, der nicht alles darf, was der Priester darf, dafür aber verheiratet ist? Oder ein „geweihter Seitenumblätterer“, der außerhalb der Liturgie nichts Erkennbares in der Gemeinde tut, also eine Art „Geheimnis des Glaubens“? Und dann gibt es ja noch die Diakone, die dieses Amt nur für eine Übergangszeit innehaben bevor sie zum Priestertum geweiht werden ... ein undurchschaubarer Dschungel!?

Dieser Dschungel zeigt: Wer die Zulassung von Frauen zum sakramentalen Diakonat fordert, muss sich erst einmal darüber klar werden, was mit dem Diakonat theologisch überhaupt gemeint ist und wie er gegenüber dem Priestertum einerseits und den Pastoral- bzw. Gemeindereferentinnen oder -referenten andererseits an eigenständigem Profil gewinnen kann.

Gern wird angesetzt bei dem, was äußerlich sichtbar und greifbar ist, nämlich bei dem, was der/die Diakon/in tun darf: Spendung der Taufe in „ordentlicher Form“, Assistenz bei der Eheschließung und Predigt in der Eucharistiefeier. Aber das sind eigentlich nicht die Aufgaben, die den Diakon zum Diakon machen, denn prinzipiell und in Notfällen dürfen das auch Laien. Dazu braucht es keine Weihe. Was also heißt „sakramentale Weihe“, was heißt „kirchliches Amt“, was „Berufung“?

Dies zeigt, dass die Frage nach den rein rechtlichen Kompetenzen (was darf er/sie?) falsch gestellt ist, sondern dass viel grundsätzlicher gefragt werden muss, welchen Auftrag wir als Kirche haben, wie wir diesen Auftrag sichtbar machen und umsetzen wollen und schließlich: welchen Anteil der Diakon/die Diakonin daran hat.

Dem christologischen Neuansatz des Zweiten Vatikanums in der Ämtertheologie folgend kann man sagen: Unser Auftrag als Kirche Jesu Christi kann nur die Fortsetzung Seines Auftrags sein, nämlich die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat. Dieser Auftrag muss sich folglich auch in den Ämtern der Kirche widerspiegeln, denn sie sollen diesen Auftrag einerseits repräsentieren, andererseits aber auch seine Umsetzung gewährleisten.

Neben einer christologischen Neubesinnung hat das Zweite Vatikanum außerdem weit hinter die (neu-)scholastische Ämtertheologie zurückgegriffen und sich auf das altkirchliche Amtsverständnis zurückbesonnen, indem es den Gedanken von der Einheit des Amtes gleichzeitig mit einer Verschiedenheit der Dienste gedacht hat. So ist die Einheit des Amtes dadurch gewährleistet, dass die Fülle des Amtes dem Bischof zukommt. Diese Fülle verwirklicht sich jedoch konkret vor Ort in unterschiedlichen Diensten. In diesem Sinne kann man Priestertum und Diakonat als „die beiden Arme“ des Bischofs verstehen, wobei der eine Arm (der Priester)schwerpunktmäßig für die Verkündigung im Wort (Martyria) zuständig ist, der/die Diakon/in für die Verkündigung in der heilenden Tat (Diakonia). Beides ist nicht voneinander zu trennen und verdichtet sich in der Liturgie (Leiturgia).

Für eine Frau im sakramentalen Diakonat hieße das konkret, dass sie als Leiterin der Diakonie einer Gemeinde zu gewährleisten hätte, dass die Diakonie als eine der drei Säulen gemeindlichen Lebens auch in dieser Gemeinde lebendig ist. So wäre es die Aufgabe der Diakonin, zunächst mit wachem Auge wahrzunehmen, welche Gegebenheiten und Bedürfnisse vor Ort bestehen: Gibt es z.B. ein Altenheim, ein Asylbewerberheim oder wäre eher so etwas wie eine Suppenküche notwendig? Gehören zu unserem Stadtteil viele Arbeitslose, für die bzw. mit denen man ein Projekt starten könnte? Usw. Ihre Funktion bestünde dann allerdings weniger darin, diese diakonische Arbeit in aller Stille alleine zu tun (das entspräche der altbekannten Frauenrolle!), sondern sie sollte für diese not-wendigen Dienste ehrenamtliche Mitarbeiter/innen suchen, um entsprechende Helfer/innenkreise zu initiieren und zu koordinieren. Umgekehrt würde die Diakonin aber auch den diakonischen Dienst an die Gemeinde und ihre Feier, die Liturgie zurückbinden. Ebenso sollte sie das Glaubensgespräch auf dem Hintergrund der diakonischen Arbeit unter den diakonisch Tätigen anregen und fördern, denn es geht ja darum, immer wieder wachzuhalten, dass dieser Dienst in der Nachfolge Christi getan wird. Nur dann wird das diakonische Tun wirklich zur Verkündigung der Frohen Botschaft in und durch die heilende Tat!